Kurz & knapp

Schurwolle ist Wolle, die durch das Scheren lebender Schafe gewonnen wird – also frische, „neue" Wolle und keine wiederverwertete Faser. Der Begriff ist in der EU rechtlich geschützt: Wo „Schurwolle" oder „reine Schurwolle" draufsteht, muss neue Wolle vom lebenden Tier drin sein. Schurwolle wärmt, reguliert Feuchtigkeit, riecht kaum und ist von Natur aus schwer entflammbar. Hier erklären wir, was den Begriff ausmacht – und wo der Unterschied zu Merinowolle und einfacher „Wolle" liegt.

Auf einen Blick
  • Schurwolle = geschorene Wolle vom lebenden Schaf – „Schur" steht für das Scheren
  • Rechtlich geschützter Begriff: neue Wolle, nicht aus Alttextilien wiederverwertet
  • „Reine Schurwolle" ≠ „Wolle": der Zusatz garantiert die Herkunft vom lebenden Tier
  • Merinowolle ist auch Schurwolle – nur feiner. Der Unterschied liegt in der Faserstärke
  • Eigenschaften: temperaturausgleichend, geruchshemmend, schwer entflammbar, elastisch, langlebig
  • Waschen: selten, max. 30 °C im Wollprogramm, kein Weichspüler, liegend trocknen
Schaf wird geschoren – die Schur liefert Schurwolle vom lebenden Tier

Die Schur eines lebenden Schafs: Aus genau diesem Vorgang stammt der Name „Schurwolle".

Was ist Schurwolle? Die Definition

Das Wort sagt es schon: Schurwolle ist die Wolle, die bei der „Schur" – also beim Scheren – von einem lebenden Schaf gewonnen wird. Sie wird einmal (bei manchen Rassen zweimal) im Jahr abgeschoren, gereinigt, gekämmt, gesponnen und zu Garn verarbeitet. Entscheidend sind dabei zwei Dinge: Die Wolle stammt vom lebenden Tier, und sie ist neu – sie war noch nie Teil eines anderen Textils.

Genau das unterscheidet Schurwolle von Wolle, die aus alten Kleidungsstücken zurückgewonnen wird (sogenannte Reißwolle oder recycelte Wolle). Und es unterscheidet sie historisch auch von der „Gerberwolle" oder „Sterblingswolle", die von toten Tieren stammt. Wenn auf einem Etikett Schurwolle steht, weißt Du also: frische Wolle, direkt vom lebenden Schaf.

Häufiger Irrtum

Man liest oft, Schurwolle sei „die Wolle aus der ersten Schur" eines Schafs. Das stimmt nicht. Schurwolle bezeichnet jede geschorene Wolle vom lebenden Tier – unabhängig davon, die wievielte Schur es ist. Die Wolle aus der ersten Schur eines Lamms hat einen eigenen Namen: Lammwolle (Lambswool). Sie ist besonders fein, ist aber nur ein Spezialfall der Schurwolle.

Rechtlich geschützt

„Schurwolle" ist kein Marketingbegriff, sondern in der EU-Textilkennzeichnungsverordnung (VO 1007/2011, Art. 8 i. V. m. Anhang III) geschützt. Die Bezeichnung ist nur erlaubt, wenn die Wolle vom lebenden Tier stammt, nie Teil eines Fertigerzeugnisses war und nicht faserschädigend behandelt wurde. Die zulässige Fremdfaser-Toleranz ist mit 0,3 % besonders streng. Die Zusätze „100 %", „rein" oder „ganz" dürfen nur für Produkte verwendet werden, die ausschließlich aus dieser einen Faser bestehen. Steht dagegen schlicht „Wolle" auf dem Etikett, kann auch wiederaufbereitete Wolle enthalten sein.

Schurwolle, reine Schurwolle, Wolle, Reißwolle – die Unterschiede

Die Begriffe werden oft durcheinandergeworfen. Dabei steckt hinter jedem eine andere Aussage über Herkunft und Qualität:

Bezeichnung Was sie bedeutet Herkunft der Faser
Schurwolle Geschützte Bezeichnung für neue Wolle vom lebenden Tier. In einem Gemisch nur erlaubt, wenn die Wolle mind. 25 % ausmacht und alle Fasern mit Prozenten deklariert werden Lebendes Schaf, Erstverwendung
Reine / 100 % Schurwolle Das Produkt besteht ausschließlich aus Schurwolle. Die Zusätze „rein"/„100 %" sind nur für Einfaser-Produkte zulässig (Fremdfaser-Toleranz max. 0,3 %) Lebendes Schaf, Erstverwendung
Wolle Sammelbegriff – kann auch wiederaufbereitete oder recycelte Wolle enthalten Lebendes Tier oder Alttextil
Reißwolle / recycelte Wolle Aus alten Textilien zurückgewonnen, meist kürzere Fasern – darf nicht „Schurwolle" heißen Wiederverwertet
Gerberwolle Wolle aus der Fellverarbeitung geschlachteter Tiere Totes Tier
Sterblingswolle Wolle von natürlich verendeten Schafen, oft faserschwächer Totes Tier
Schurwolle
Bedeutung
Geschützte Bezeichnung für neue Wolle vom lebenden Tier; im Gemisch nur mit Deklaration und mind. 25 % Wollanteil
Herkunft
Lebendes Schaf, Erstverwendung
Reine / 100 % Schurwolle
Bedeutung
Produkt besteht ausschließlich aus Schurwolle; „rein"/„100 %" nur für Einfaser-Produkte (max. 0,3 % Fremdfaser)
Herkunft
Lebendes Schaf, Erstverwendung
Wolle
Bedeutung
Sammelbegriff – kann recycelte Wolle enthalten
Herkunft
Lebendes Tier oder Alttextil
Reißwolle / recycelte Wolle
Bedeutung
Aus Alttextilien zurückgewonnen – darf nicht „Schurwolle" heißen
Herkunft
Wiederverwertet
Gerberwolle
Bedeutung
Wolle aus der Fellverarbeitung geschlachteter Tiere
Herkunft
Totes Tier
Sterblingswolle
Bedeutung
Wolle von natürlich verendeten Schafen, oft faserschwächer
Herkunft
Totes Tier
Beim Kauf beachten

Recycelte Wolle ist nicht „schlecht" – im Gegenteil, sie ist ressourcenschonend. Aber sie hat oft kürzere Fasern, neigt eher zum Pilling und ist weniger reißfest. Wer ein Kleidungsstück fürs ganze Leben sucht, ist mit reiner Schurwolle besser bedient. Achte auf das exakte Wort auf dem Etikett – „Schurwolle" sagt mehr aus als „Wolle".

Infografik: Die vier Wollarten – Schurwolle, Reißwolle, Gerberwolle und Sterblingswolle im Vergleich

Die vier Wollarten im Überblick: Nur Schurwolle stammt vom lebenden Tier und ist Erstverwendung.

Wie Schurwolle gewonnen wird

Schafe werden in der Regel einmal pro Jahr geschoren – meist im Frühjahr, bevor es warm wird. Das Scheren ist kein Eingriff gegen das Tier, sondern Pflege: Würde ein Wollschaf nicht geschoren, würde das Vlies immer weiter wachsen, verfilzen und das Tier belasten. Ein einzelnes Schaf liefert je nach Rasse grob 3 bis 5 Kilogramm Rohwolle pro Schur.

Nach der Schur durchläuft die Wolle mehrere Schritte: Waschen (das natürliche Wollfett, das Lanolin, wird je nach Verfahren ganz oder teilweise ausgewaschen), Kämmen und Kardieren (die Fasern werden geordnet), Spinnen zum Garn und schließlich Färben. Erst danach wird gestrickt oder gewebt.

Wie wir es machen

Unsere Schurwolle stammt aus Südamerika (vornehmlich Argentinien), unsere Merinowolle aus Neuseeland. Gewaschen, gesponnen und schwermetallfrei gefärbt wird in Europa – gestrickt in unserer Manufaktur in Stade an der Elbe. Bewusst ohne Superwash und ohne chemische Behandlung, die der Wolle ihre natürlichen Eigenschaften nehmen würde – damit sie das bleibt, was sie ist: eine reine Naturfaser.

Rohe Schurwolle: frisch geschorenes Wollvlies mit natürlich gekräuselten Fasern

Frisch geschorenes Vlies: gekräuselte Naturfaser, die vor dem Spinnen gewaschen und gekämmt wird.

Die Eigenschaften von Schurwolle

Schurwolle besteht aus Keratin – demselben Protein wie menschliches Haar. Aus dieser Struktur ergibt sich eine ganze Reihe von Eigenschaften, die keine Kunstfaser in dieser Kombination bietet:

bis zu 35 % des Eigengewichts kann Wolle an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen
570 °C Erst ab dieser Temperatur entzündet sich Wolle – sie schmilzt und tropft nicht
100 % biologisch abbaubar – reine Wolle zersetzt sich im Boden vollständig

Quellen zu den Werten: Feuchtigkeitsaufnahme bis zu 35 % – The Woolmark Company und IWTO. Brandverhalten (Entzündung erst bei rund 570–600 °C, schmilzt und tropft nicht) – The Woolmark Company und IWTO. Biologische Abbaubarkeit (zu 95 % nach 15 Wochen im Boden abgebaut) – The Woolmark Company.

  • Temperaturausgleich: Die gekräuselte Faserstruktur (Crimp) schließt Luft ein und isoliert. Wolle wärmt im Kalten und wirkt im Warmen ausgleichend.
  • Feuchtigkeitsmanagement: Wolle nimmt Wasserdampf ins Faserinnere auf und gibt ihn langsam wieder ab – bis zu 35 % ihres Eigengewichts, ohne sich nass anzufühlen. Sie fühlt sich auch dann noch trocken an, wenn sie schon viel Feuchtigkeit aufgenommen hat.
  • Schmutz- und wasserabweisend: Jede Faser ist von einer feinen Schuppenhaut umgeben (der Epicuticula). An dieser glatten Oberfläche perlen Flüssigkeiten ähnlich wie beim Lotusblatt ab – flüssiges Wasser dringt kaum ein, Schmutz haftet schlecht.
  • Geruchshemmend: Das Keratin bindet geruchsbildende Stoffe. Wollkleidung muss seltener gewaschen werden – oft reicht Lüften.
  • Schwer entflammbar: Stickstoff und Schwefel in der Faser wirken als natürliches Flammschutzmittel. Wolle verkohlt nur und erlischt von selbst – mehr dazu in unserem Beitrag zu Brandflecken und Löchern.
  • Elastisch und langlebig: Eine Wollfaser lässt sich vielfach biegen, ohne zu brechen, und kehrt in ihre Form zurück. Das macht Schurwolle-Strick formstabil und robust.
Lanolin – das natürliche Wollfett

In der Rohwolle steckt von Natur aus Lanolin (Wollfett). Es schützt das Tier vor Nässe und macht die Faser geschmeidig. Weil wir die Wolle nicht chemisch behandeln, bleibt ein Teil dieses natürlichen Lanolin-Gehalts erhalten – das macht unsere Strickware besonders pflegeleicht. Nachfetten und Pflegen lässt sich die Faser gezielt mit unserer Waschpflege mit Lanolin.

Schurwolle vs. Merinowolle – wo ist der Unterschied?

Eine häufige Frage – und die Antwort überrascht viele: Merinowolle ist auch Schurwolle. Beide werden vom lebenden Schaf geschoren. Der Unterschied liegt nicht in der Gewinnung, sondern in der Faserstärke, gemessen in Mikrometern (µm). Mehr dazu: Was ist eigentlich Merino?

„Schurwolle" als allgemeine Angabe stammt meist von robusten Schafrassen mit kräftigeren Fasern (oft um 25–30 µm). „Merinowolle" stammt vom Merinoschaf und ist deutlich feiner (häufig 17–23 µm). Und genau diese Faserstärke entscheidet darüber, ob sich Wolle weich oder kratzig anfühlt.

Der Faktor Faserstärke

Warum feine Merinowolle nicht kratzt und gröbere Schurwolle auf nackter Haut spürbar ist, hat einen rein physikalischen Grund – nicht etwa eine „Wollallergie". Wir haben das ausführlich erklärt: Wolle für Allergiker – warum Wolle kratzt und welche nicht.

Beide haben ihren Platz: Die kräftige Schurwolle ist robust, dicht und winddicht – ideal für Outerwear. Die feine Merinowolle ist weich genug, um direkt auf der Haut getragen zu werden.

Was ist wärmer – Schurwolle oder Merinowolle?

Bei gleicher Dicke isoliert Merinowolle etwas besser, weil ihre feineren, stärker gekräuselten Fasern mehr Luft einschließen. In der Praxis ist aber oft die gröbere Schurwolle wärmer – schlicht, weil sie in höheren Grammaturen (dickeren, schwereren Gestricken) verarbeitet wird. Für die Wärmeleistung zählt am Ende weniger die Schafrasse als das Gewicht und die Konstruktion des Kleidungsstücks. Die ganze Erklärung mit Faserphysik und Praxis-Tipps findest Du in unserem ausführlichen Beitrag: Was ist wärmer – Schurwolle oder Merinowolle?

Schurwolle bei RYMHART

Für unsere schweren Troyer, Jacken und groben Mützen verwenden wir 100 % reine Schurwolle mit rund 26 Mikrometern. Allein im schweren Troyer stecken rund 2 Kilogramm dieser Wolle. Die Faser ist bewusst kräftig gewählt: Sie macht die Kleidungsstücke robust, dicht und wetterfest – gemacht für draußen, an Bord, auf dem Deich, bei Wind und Kälte.

Entscheidend ist für uns, was wir nicht mit der Wolle machen: Wir berauben sie nicht chemisch ihrer natürlichen Eigenschaften (kein Superwash). So bleiben ihre drei wichtigsten Stärken erhalten – sie ist klimatisierend, geruchsabweisend und selbstreinigend. Gewaschen, gesponnen und schwermetallfrei sowie azofarbstofffrei gefärbt wird in Europa.

Für Stücke, die direkt auf der Haut getragen werden – Shirts, den leichten Troyer, feine Mützen und den Loop – setzen wir auf feine Merinowolle aus Neuseeland (19–19,5 µm).

RYMHART Troyer schwer aus reiner Schurwolle – robust, dicht und wetterfest

Reine Schurwolle (26 µm) im schweren Troyer: robust, dicht, winddicht – gemacht für draußen.

Unsere Überzeugung

Wir nennen das Material beim Namen: reine Schurwolle, nicht „Wolle". Keine Mischung mit Kunstfaser, kein Superwash, keine versteckten Beimischungen. Das ist Teil unserer Haltung – ehrliche Materialien und transparente Herstellung. Und weil gute Kleidung nicht weggeworfen werden sollte, bieten wir einen Reparaturservice und eine Inzahlungnahme an. Gestrickt, um zu bleiben.

Wie wäscht man Schurwolle? Pflege Schritt für Schritt

Reine Schurwolle ist pflegeleichter, als viele denken. Die wichtigste Regel zuerst: so selten wie möglich waschen. Dank des Selbstreinigungseffekts reicht es meist, das Kleidungsstück über Nacht an die frische, möglichst feuchte Luft zu hängen – am nächsten Morgen ist es wieder frisch. Jede Wäsche beansprucht die Faser, Lüften nicht. Das gilt für Schurwolle allgemein – und genauso für unsere RYMHART-Produkte aus 100 % Schurwolle, etwa den Troyer schwer.

Wenn es doch in die Wäsche muss, geht es so:

  1. Etikett prüfen. Maßgeblich ist immer das Pflegeetikett des konkreten Stücks. Im Zweifel: Handwäsche.
  2. Temperatur: maximal 30 °C (besser 20–30 °C, lauwarm). Wichtig: Wasch- und Spülwasser sollten dieselbe Temperatur haben – starke Temperatursprünge lassen Wolle verfilzen.
  3. Wollwaschgang oder Handwäsche. In der Maschine nur das Wollprogramm bei geringer Beladung. Bei Handwäsche das Stück nur sanft in die Lauge drücken – nicht reiben, nicht kneten, nicht wringen.
  4. Wenig flüssiges Wollwaschmittel, idealerweise mit Lanolin. Keinen Weichspüler (verklebt die Faser) und keine Bleichmittel.
  5. Nicht schleudern. Für hochwertige Strickware – wie unsere Troyer – gilt: nicht schleudern. Das nasse Stück stattdessen vorsichtig ausdrücken, nicht wringen, nicht in Form ziehen.
  6. Liegend trocknen. Auf einem großen Handtuch in Form bringen und liegend trocknen lassen – nie auf den Bügel (verzieht sich) und nie in den Trockner (verfilzt).
Infografik: Produkte aus Schurwolle waschen in 6 Schritten – max. 30 °C, Wollprogramm, kein Weichspüler, nicht schleudern, liegend trocknen

Produkte aus reiner Schurwolle – wie unser Troyer schwer – richtig waschen: kühl, sanft, ohne Weichspüler, nicht schleudern, liegend trocknen.

Häufigster Fehler

Läuft Schurwolle ein, ist sie fast immer verfilzt – Ursache sind zu hohe Temperatur, Schleudern oder mechanisches Reiben. Eingelaufene, verfilzte Wolle lässt sich kaum wieder herstellen. Deshalb: lieber kühl, sanft und selten waschen. Gegen vereinzelte Knötchen (Pilling) hilft ein Wollrasierer – Details im Beitrag zu Pilling bei Wolle.

So pflegst Du Deine RYMHART-Schurwolle

Diese Schurwoll-Pflege gilt für alle unsere schweren Gestricke aus 100 % Schurwolle – Troyer schwer ungefüttert, Troyer schwer gefüttert, die schweren Jacken und die grobe Mütze. Unsere Regeln: lüften statt waschen, kein Weichspüler, kein Bleichmittel, niemals schleudern, nicht in den Trockner. Warm bügeln ist möglich – höchstens 110 °C. Gegen Pilling hilft ein Wollrasierer, und mit unserer Waschpflege mit Lanolin bleibt die Faser geschmeidig. Für unsere feinen Stücke aus Merinowolle (Shirts, leichter Troyer, Loop) gelten dieselben Grundregeln – worin sich die beiden Wollarten unterscheiden, erklären wir in Was ist eigentlich Merino?

Alle Details findest Du in unseren Pflegehinweisen. Und falls doch mal ein Loch, Fleck oder Ziehfaden passiert: Für RYMHART-Produkte gibt es unseren Reparatur- und Auffrischungsservice.

Zusammengefasst

Schurwolle ist neue Wolle vom lebenden Schaf, gewonnen durch die jährliche Schur – ein rechtlich geschützter Begriff, der für Herkunft und Qualität steht. Sie ist nicht dasselbe wie schlichte „Wolle", die auch recycelte Fasern enthalten kann. Merinowolle ist ebenfalls Schurwolle, nur feiner. Was alle Schurwollen verbindet, sind die Eigenschaften der Naturfaser: Sie wärmt, reguliert Feuchtigkeit, riecht kaum, ist schwer entflammbar und langlebig.

Bei uns heißt das konkret: reine Schurwolle für robuste Outerwear, feine Merinowolle für direkt auf der Haut – ehrlich benannt, ohne Kunststoff, gestrickt in Stade.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist Schurwolle einfach erklärt?

Schurwolle ist die Wolle, die beim Scheren eines lebenden Schafs gewonnen wird. „Schur" steht für das Scheren. Es handelt sich um neue, frische Wolle, die noch nie Teil eines anderen Textils war – im Gegensatz zu recycelter Wolle aus Alttextilien.

Was ist der Unterschied zwischen Schurwolle und Wolle?

„Schurwolle" bezeichnet ausdrücklich neue Wolle vom lebenden Tier. „Wolle" ist ein Sammelbegriff, unter dem auch wiederaufbereitete oder recycelte Wolle verkauft werden darf. Der Begriff Schurwolle ist in der EU rechtlich geschützt und sagt mehr über die Herkunft und Qualität der Faser aus.

Was bedeutet „reine Schurwolle"?

„Rein" bzw. „100 % Schurwolle" bedeutet, dass das Produkt ausschließlich aus Schurwolle besteht. Die Zusätze „rein", „100 %" oder „ganz" sind rechtlich nur für Erzeugnisse zulässig, die aus einer einzigen Faser bestehen. Für die Bezeichnung Schurwolle gilt zudem eine besonders strenge Fremdfaser-Toleranz von höchstens 0,3 %. Es ist also keine höhere „Stufe" als Schurwolle, sondern bezeichnet dieselbe Faser ohne Beimischung.

Ist Merinowolle auch Schurwolle?

Ja. Merinowolle wird ebenfalls vom lebenden Schaf geschoren und ist damit Schurwolle. Der Unterschied liegt allein in der Faserstärke: Merinowolle stammt vom Merinoschaf und ist deutlich feiner (oft 17–23 µm) als Schurwolle gröberer Rassen (etwa 25–30 µm). Deshalb fühlt sich Merinowolle weicher an.

Kratzt Schurwolle?

Das hängt von der Faserstärke ab, nicht vom Begriff Schurwolle selbst. Kräftigere Schurwolle (ab ca. 25 µm) ist auf nackter Haut spürbar, feine Merinowolle (unter 22 µm) dagegen nicht. Das Kratzen ist eine mechanische Reizung durch dickere Fasern, keine allergische Reaktion. Ein dünnes Shirt als Baselayer löst das Thema bei robusterer Wolle.

Wie wäscht man Schurwolle?

Am besten lüften statt waschen, dank des natürlichen Selbstreinigungseffekts. Wenn gewaschen wird: Handwäsche oder Wollprogramm bei maximal 30 °C (Wasch- und Spülwasser gleich temperiert), wenig flüssiges Wollwaschmittel, kein Weichspüler, kein Bleichmittel. Nicht schleudern – das nasse Stück nur vorsichtig ausdrücken, nicht wringen. Anschließend liegend auf einem Handtuch in Form trocknen – nie in den Trockner und nie auf den Bügel.

Was ist wärmer – Schurwolle oder Merinowolle?

Bei gleicher Dicke isoliert Merinowolle dank feinerer, stärker gekräuselter Fasern etwas besser. In der Praxis ist aber oft die gröbere Schurwolle wärmer, weil sie in höheren Grammaturen verarbeitet wird. Entscheidend ist weniger die Schafrasse als Gewicht und Konstruktion des Kleidungsstücks. Am wärmsten ist die Kombination im Zwiebelprinzip: Merino auf der Haut, Schurwolle darüber.

Läuft Schurwolle beim Waschen ein?

Nur bei falscher Wäsche. Eingelaufene Schurwolle ist in Wahrheit verfilzt – verursacht durch zu hohe Temperatur, Schleudern oder mechanisches Reiben. Wird sie kühl (max. 30 °C), sanft und ohne Wringen gewaschen, läuft sie nicht ein. Verfilzte Wolle lässt sich allerdings kaum wieder herstellen.

Muss für Schurwolle ein Schaf sterben?

Nein. Schurwolle wird ausschließlich von lebenden Tieren geschoren – kein Schaf wird dafür getötet. Die Schur ist sogar nötig, damit das Tier nicht unter dem ständig nachwachsenden Vlies leidet. Wolle von toten Tieren (Gerber- oder Sterblingswolle) darf nicht als Schurwolle bezeichnet werden.

Ist Schurwolle nachhaltig?

Reine Schurwolle ist eine nachwachsende, vollständig biologisch abbaubare Naturfaser. Sie ist besonders langlebig und reparierbar, was die Nutzungsdauer verlängert. Wichtig sind die Bedingungen bei Tierhaltung und Verarbeitung sowie der Verzicht auf Kunststoffbeschichtungen wie Superwash, die die biologische Abbaubarkeit einschränken.

Quellenangaben

Feuchtigkeitsaufnahme (bis zu 35 % des Eigengewichts): The Woolmark Company – Wool is naturally breathable; IWTO – Breathability and Wool.

Brandverhalten (Entzündung erst bei rund 570–600 °C, LOI 25,2 %, schmilzt und tropft nicht): The Woolmark Company – Wool Fibre Properties; IWTO – Wool and Flame Resistance.

Biologische Abbaubarkeit (zu 95 % nach 15 Wochen Bodenlagerung abgebaut): The Woolmark Company – Wool is biodegradable.

Definition und zulässige Verwendung der Bezeichnungen „Schurwolle" und „reine Schurwolle": EU-Textilkennzeichnungsverordnung (VO (EU) Nr. 1007/2011), Anhang III, sowie deutsches Textilkennzeichnungsgesetz (TextilKennzG).

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